Wer bin ich?
Manifest
Ich arbeite gegen eine Welt, die den Menschen in starre Formen zwingt.
Patriarchale Ordnung zeigt sich nicht nur in Machtverhältnissen, Gesetzen und Blickregimen. Sie schreibt sich auch in Räume ein, in Architektur, in Gestaltung, in die Oberflächen des Alltags. Sie lebt in der Glättung, in der Normierung, in der Disziplin der klaren Linie, im Zwang zur Eindeutigkeit, im kalten Versprechen von Funktionalität.
Mit der Industrialisierung wurde nicht nur Produktion beschleunigt. Es wurde auch Wahrnehmung diszipliniert. Schönheit wurde reduziert, Verspieltheit verdrängt, Widerspruch bereinigt. Der Mensch sollte sich an einer Umwelt orientieren, die ihm nicht ähnelt: hart, rationalisiert, binär, kontrolliert.
So entstand eine emotionale Kluft zwischen Innenwelt und äußerer Form. Zwischen Körper und Umgebung. Zwischen Sehnsucht und System.
Ich begreife diese Form von Reduktion nicht als neutrale ästhetische Entscheidung, sondern als Ausdruck von Herrschaft. Dort, wo nur Linie, Raster, Ordnung und Funktion gelten, wird das Lebendige zurückgedrängt: das Ambivalente, das Sinnliche, das Weiche, das Unfertige, das Überflüssige, das Spielerische.
Meine Arbeit sucht nach Gegenbildern.
Ich will Formen öffnen, die verschlossen wurden. Ich will Schönheit nicht als Dekoration, sondern als Widerstand begreifen. Ich suche nach Bildsprachen, in denen Verletzlichkeit, Ornament, Bruch, Überlagerung, Intuition und Widerspruch nicht beseitigt, sondern sichtbar gemacht werden.
Doch Widerstand allein genügt nicht.
Ich rufe die Symbiose-Ära aus.
Die Symbiose-Ära ist der Bruch mit einer Ordnung, die trennt: Geist von Körper, Mensch von Natur, Funktion von Schönheit, Struktur von Gefühl, Form von Leben. Sie ist die Rückkehr des Verbindenden. Eine Zeit, in der Umgebung den Menschen nicht länger diszipliniert, sondern ihm wieder antwortet. Eine Zeit, in der Formen nicht beherrschen, sondern in Beziehung treten. Eine Zeit, in der Schönheit nicht gehorcht, sondern verbindet.
Meine künstlerische Praxis ist ein Versuch, diese Symbiose sichtbar zu machen. Nicht durch Reinheit, sondern durch Reibung. Nicht durch Gehorsam gegenüber Form, sondern durch ihre Rückeroberung. Nicht durch Anpassung an patriarchale Systeme, sondern durch das Sichtbarmachen dessen, was sie verdrängen — und durch die Vorwegnahme dessen, was nach ihnen kommen kann.
Ich arbeite für eine Ästhetik, die wieder atmet.
Für eine Form, die nicht unterwirft.
Für eine Schönheit, die nicht gehorcht.
Für den Beginn der Symbiose-Ära.
